Talentfindung

Wie das Talentmanagement Organisationen hilft, besser für die Zukunft gerüstet zu sein

Weltweit agieren Organisationen und Unternehmen immer mehr unter den Bedingungen des ständigen Wandels und zunehmender Unsicherheit. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig und vielfältig, aber einige können hier genannt werden: zunehmender (globaler) Wettbewerb, digitale Transformation, gesellschaftlicher und klimatischer Wandel.

Unternehmen müssen daher Kompetenzen entwickeln, die es ihnen ermöglichen, mit dieser Dynamik besser umzugehen.

Es scheint immer bedeutsamer zu werden, sich auf die Stärkung des menschlichen Faktors in Organisationen zu konzentrieren, um ihnen zu mehr Agilität zu verhelfen - schnell und vorausschauend zu reagieren. Es wird folglich immer wichtiger, die richtigen Menschen mit den richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen zu identifizieren, sie einzustellen und sie in die richtigen Schlüsselpositionen zu bringen. Die Erfassung und das Management von Talenten scheinen die aktuell beste Methode zu sein, um dies zu erreichen.

Zunächst müssen wir klären, was unter dem Begriff Talent verstanden werden kann. Talent in einem WBL-Ausbildungs- oder Arbeitskontext kann definiert werden als das Potenzial von Einzelpersonen, die wesentlich zur Unternehmensleistung und zum Geschäftserfolg beitragen – dieses Talent kann aus verschiedenen Eigenschaften bestehen, wie etwa natürlich gegebenen Fähigkeiten, bestimmten Kenntnissen, Verhaltensweisen sowie spezifischen Fertigkeiten und Kompetenzen.

Die moderne Talentmanagementforschung unterscheidet zwei verschiedene Ansätze: konventionelles Talentmanagement konzentriert sich nur auf die leistungsstarken Mitarbeiter/innen und versucht, ihre Geschäfts- und Personalprozesse so zu verändern, dass diese Schlüsselpersonen angezogen, eingestellt, entwickelt und gehalten werden.

Der mehr integrativ orientierte Talentmanagementansatz berücksichtigt, dass jede(r) Mitarbeiter/in wichtig ist, um Erfolg zu haben. Jede Person hat Talente und Potenziale, die irgendwann für das Unternehmen nutzbar gemacht werden können. Dieser Ansatz versucht, sich mit Fragen zu befassen, wie die Personal- oder Auszubildendenauswahl (innerhalb und außerhalb des Unternehmens) und die Personal- oder Auszubildendenentwicklung so strukturiert werden kann, dass eine bestmögliche Anpassung ermöglicht wird. Das meint, dass alle Mitarbeiter/innen oder Auszubildenden die am besten geeigneten Stellen oder Rollen finden, wo ihr Talent am besten eingesetzt werden kann (von Hehn 2016).

Beide Talentmanagementansätze verlangen von den Unternehmen, dass sie sich über wesentliche Kompetenzen und Fähigkeiten für Positionen und Aufgaben Gedanken machen, die sie als entscheidend für die Leistung und den Erfolg des Unternehmens definieren. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass das Talentmanagement kein absolutes, sondern ein sehr individuelles und kontextabhängiges Managementkonzept ist. Bei der Planung der Einführung eines Talentmanagementprozesses ist es entscheidend, mit der Entwicklung eines Kompetenzmodells zu beginnen, das klar umreißt, welche Talente und Fähigkeiten benötigt werden. Dieses Kompetenzmodell wird auch dazu beitragen, den Schwerpunkt in allen WBL-bezogenen Aktivitäten (z.B. wie Personalrekrutierung, Personalbeurteilung, berufliche Entwicklungsprogramme usw.) beizubehalten.

Die Talentmanagementbestrebungen beeinflussen drei wichtige Geschäftsbereiche:

  1. Sie beeinflussen und verändern die Unternehmensstrategie, gleichzeitig aber wird ein Talentmanagementsystem auch von Geschäftszielen und -strategien geleitet.
  2. Sie verändern die Kultur und die Rollen, da sie sowohl das Management als auch die Personalpraktiken beeinflussen.
  3. Schlussendlich erfordert ein Talentmanagementsystem die Anpassung und die Veränderung von Personalaktivitäten und -praktiken.

Talentmanagementmaßnahmen können nur dann erfolgreich sein, wenn sie diese drei Bereiche - Strategie, Kultur und Personalpraktiken - gleichermaßen berücksichtigen.

In den Lerneinheiten 20A und 20B wird versucht, die Kluft zwischen der Theorie des Talentmanagements und der Anwendung in der WBL-Praxis zu überbrücken und den möglichen Einsatz verschiedener Instrumente zu ermöglichen, die Ihnen helfen, effektive Personalbeurteilungen durchzuführen oder Ihr eigenes Kompetenzmodell zu erstellen.

 

Quellen

Cambridge Dictionary, 07.11.2019

https://dictionary.cambridge.org/de/worterbuch/englisch/talent

Svea von Hehn, 2016, Systematisches Talent Management, Schäffer-Pöschel Verlag Stuttgart